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Das unberührte Buch – Wie Perfektion uns vom Leben abhält

Aktualisiert: 10. Dez. 2025


Kennst du das Gefühl, dass etwas so besonders ist, dass du dich gar nicht traust, es zu benutzen? Genau das passiert einer meiner Klientinnen. Und was sie dabei entdeckt, ist eine kleine, stille Lektion über Perfektion, Mut und Lebendigkeit.


Die Geschichte

Sie steht auf einem Kunsthandwerkermarkt. Zwischen Kerzen, Tüchern und Schmuckstücken fällt ihr Blick auf ein Buch – handgeschöpftes Papier, Ledereinband, mit Liebe gebunden. Als sie es in die Hand nimmt, spürt sie sofort: Das ist mein Buch. Ein Buch für ihre Gedanken, ihre Visionen, ihre Träume.

Sie kauft es – ein wenig zögernd, weil es teuer ist, aber mit dem Gefühl: Das bin ich wert. Zuhause legt sie es auf den Tisch. Es liegt da, still, schön, fast heilig.

Ein paar Tage später nimmt sie es in die Hand. Sie will schreiben.Doch plötzlich ist alles in ihr blockiert. Was, wenn der erste Satz blöd klingt? Was, wenn sie sich verschreibt? Was, wenn sie die Magie dieses besonderen Buches zerstört?

Und so legt sie den Stift wieder hin. Das Buch bleibt geschlossen. Ein Tag vergeht. Eine Woche. Ein Monat. Ein Jahr.

Es liegt immer noch auf ihrem Tisch – unberührt. Und jedes Mal, wenn sie es ansieht, spürt sie ein Ziehen im Herzen. Sie möchte schreiben. Aber sie kann nicht.

In unserer Sitzung spreche ich mit ihr über diesen inneren Konflikt. Da ist ein Teil in ihr, der sagt:

„Dieses Buch ist zu schön. Du darfst es erst benutzen, wenn du perfekt bist.“

Und ein anderer Teil flüstert:

„Ich will einfach schreiben. Ich will mich ausdrücken. Ich will leben.“

Wir arbeiten mit den beiden inneren Anteilen, sie kommen in einen Dialog. Wir finden das gemeinsame Ziel: Selbstanerkennung. Und dann passiert etwas: Sie erkennt, dass dieses Buch kein Richter ist. Es will nicht perfekt beschrieben werden. Es will gefüllt werden – mit Leben, mit ihr, mit allem, was echt ist.

Also beschließen wir gemeinsam: Die erste Seite bleibt frei. Sie beginnt auf der zweiten.

Das nimmt den Druck. Und plötzlich fließt es.

Sie schreibt. Mal stockend, mal fließend. Sie zeichnet kleine Skizzen hinein, macht Korrekturen, klebt Zettel ein. Das Buch beginnt zu leben – und mit ihm lebt auch sie.

Mit der Zeit bekommt der Einband kleine Kratzer, die Ecken fransen aus. Aber jedes Mal, wenn sie es in die Hand nimmt, spürt sie: Das bin ich. Echt. Unvollkommen. Schön.

Wenn sie durchblättert, ist es wie ein Spaziergang durch ihr Inneres. Manche Seiten liebt sie, andere nicht. Aber alles zusammen ergibt ein Bild – lebendig, echt, gewachsen.


Vielleicht kennst du auch so ein „unberührtes Buch“ in deinem Leben – etwas, das auf dich wartet, aber das du nicht wagst zu beginnen. Was wäre, wenn du heute einfach auf der zweiten Seite startest? Nicht perfekt. Sondern wahrhaftig.




 
 
 

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​Ulrike Lavilla Muriel

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